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Arthur Schnitzler muss man einfach kennen

Am 4. Oktober 2019 war sie wieder bei uns im Haus, die österreichische Länderbühne – treue Gefährtin seit vielen Jahren, jeden Herbst mit einem anderen Stück in Laa. Heuer durften wir auf eine Zusammenschau aus 3 Schnitzler-Werken gespannt sein. Eine junge Schauspielerin und ein junger Schauspieler boten uns die beiden inneren Monologe Fräulein Else und Leutnant Gustl und vier Szenen aus dem damaligen Skandalstück Der Reigen. In 75 Minuten entführten uns die beiden in Schnitzlers Welt zu Beginn des 20. Jhdts. Das Leben war bestimmtvon sozialen Zwängen, gesellschaftlichen Tabus, dominanten Männern und Vätern. Frauen, Ehefrauen und Töchter mussten sich trotz innerer Widerstände letztendlich fügen. Und wenn sie es nicht taten, hatten sie - für heutige Begriffe - unglaubliche Konsequenzen zu tragen.

 MG 3120 b  MG 3157 b

Fräulein Else nimmt sich das Leben, weil sie von ihren Eltern dazu gezwungen wird, von einem ihr zutiefst unsympathischen Mann Geld für den spielsüchtigen Vater auszuborgen. Als dieser als Gegenleistung verlangt, sie 15 Minuten lang nackt sehen zu dürfen, weiß sie sich keinen anderen Ausweg. Leutnant Gustl freut sich über den Tod eines Bäckermeisters, der ihn im Zuge eine Rempelei an der Garderobe eines Konzerthauses einen „dummen Buben“ genannt hat. Wäre dieser nicht gestorben, hätte sich Gustl erschießen müssen. Denn eine solche Beschimpfung ließe sich nur durch ein Duell bereinigen, das mit einem nicht standesgemäßen Bäcker, auch wenn dieser Meister ist, nicht möglich gewesen wäre. Immer wechselnde, auch unstandesgemäße Liebesbeziehungen im Reigen kritisieren die Doppelmoral dieser Zeit, die aber auch dem Autor Schnitzler schwer zu schaffen machte. Er stellte besagte Verlogenheit, Ignoranz, Ausnützung v.a. der einfachen Mädchen und Frauen zwar an den Pranger, war aber selbst kaum besser als seine Protagonisten. Trotzdem riskierte er mit der Thematisierung dieser Zeiterscheinungen Aberkennung aller soldatischen Ehren als Militärarzt und aggressive gesellschaftliche Ächtung.

Keine leichte Kost. Unseren Siebent- und AchtklässlerInnen hat es aber trotzdem und zwar außerordentlich gut gefallen. Hier ein paar SchülerInnenmeinungen:

„Die Stücke waren sehr gut gewählt und umgesetzt. Das emotionale Dilemma, der jeweilige innere Konflikt wirkte real und glaubhaft.“

„Allein praktisch ein ganzes Stück zu bestreiten, erscheint mir unglaublich. Wie kann man sich so viel Text merken und dann auch noch überzeugend schauspielern?“

„Der Wiener Schmäh wirkte amüsant, lebendig und zeitlos. Die Problematik hat mich wirklich irritiert. Gott sei Dank leben wir in anderen Zeiten.“

„Mit so wenigen Mitteln ein dermaßen sinnvolles und interessantes Bühnenbild zu schaffen, kann nicht einfach sein.“

„Die deutliche und gut verständliche Aussprache hat mir super gefallen, auch der Wechsel zwischen Dialekt und aufgeblasener gehobener Sprache. Damit ließen sich die verschiedenen Charaktere gut beschreiben.“

„Das Stück hat mir viel besser gefallen als das Buch. V.a. bei Fräulein Else konnte ich mir ihre Gedankengänge super vorstellen.“

„Trotz der begrenzten Ressourcen waren es exzellente Leistungen, die uns geboten wurden. Dass man Innere Monologe so gut spielen kann, hat mich echt beeindruckt. Einfach super!“

 

Was lässt sich solchen Äußerungen hinzufügen? Wir sind froh, dass wir sie haben, die Länderbühne. Auf ein Neues im Herbst 2020!