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von Samstag, 8.9.2018 bis Samstag,  22.9.2018

Längst überfällig ist dieser Bericht zur, vorweggenommen sehr gelungenen, am Beginn des Schuljahres stattgefundenen Russlandreise. An den auf Russisch verfassten Reiseberichten feilen wir jedoch noch immer herum, sind ein Klassenprojekt. Jede Teilnehmerin beschrieb oder beschreibt einen oder mehrere Tage. Nicht wenige Berichte sind auch schon völlig fertig. Die meisten unserer Schülerinnen können auf ihre wunderschöne zyrillische Handschrift stolz sein. Die handschriftlichen Endfassungen werden mit Hilfe der zyrillischen Tastatur eingetippt. Die mehr als 1000 Fotos und noch Videos sind auch noch nicht endgültig aussortiert, das ist zeitaufwendig, aber besonders interessant. Wie die geduldige Leserin1 schon erahnt haben wird, sind wir mit reicher Beute von dieser zweiwöchigen Reise zurückgekehrt.
Wir flogen am Samstag den achten September, zwei Tage vor Kursbeginn, nach Moskau, um das Wochenende für Besichtigungen nutzen zu können (den Stadtfestabend am Samstag den 8.9. werden wir nicht so schnell vergessen) und landeten am Samstag den 22. September mittags wohlbehalten in Wien-Schwechat. Todmüde natürlich. „Wie immer“, meint der Schreiber dieser Zeilen.

Wer kann mit siebzehn schon sagen, dass sie ein Zeugnis des bekannten  Puschkin-Instituts über 48 Stunden Sprachkurs vorweisen kann? Schöne Zeugnisse! Nach sechs Stunden Unterricht im Puschkin-Institut ging es zum alltäglichen Kulturprogramm in die Stadt. d.h. zwei Kilometer zu Fuß zur Metrostation und von dort 15 km. (ca. 45 Minuten) ins Zentrum. Das ist für Moskau eine durchaus günstige Wohnlage, denn das Stadtgebiet zieht sich, verglichen mit Österreich, von Laa bis in die Südstadt und von Hollabrunn bis Zistersdorf. Mindestens 12 Millionen Menschen wohnen dort, die sich im Alltag äußerst diszipliniert und höflich zueinander verhalten, was unseren Teilnehmerinnen aufgefallen ist, und auch, wie sauber und wirklich schön das Zentrum Moskaus ist. (ihre Worte)

Mit noch keiner Gruppe gelang es dem nicht ganz unerfahrenen Organisator dieser Reise, vier Theaterbesuche zusätzlich zum Zirkusbesuch einzubauen. Letzterer war wieder ein Erlebnis für sich, was heuer auch manchen Fußball WM-Besucher in Staunen versetzte. Und großes Kompliment unseren Teilnehmerinnen, die viermal in zehn Tagen ohne Murren im klassischen Theater waren. Sadko in der Avantgarde-Helikon-Oper, ein beeindruckender Fürst Igor in der Novaja Opera, ebendort Ballett Dornröschen und als besonderer Leckerbissen Schwanensee im Akademie-Theater. Mehr geht einfach nicht.

 

Kreml, Arbat, Tverskaja, Planetarium, Tretjakov-Galerie (die derzeit im Vatikan ausstellt), zahlreiche Stadtspaziergänge, mehr als zwanzig lange Metrofahrten (die Reisebüros alleine als Besichtigungspunkt bewerben), regelmäßige Versorgungseinkäufe zu meist spätabendlicher Zeit auf dem Rückweg von der Stadt und unzählige Kilometer zu Fuß, die mit 170 für die 15 Tage nicht zu hoch gegriffen sein werden. Wenn wir um Mitternacht heimkamen, trafen wir uns nicht selten noch, um das am Tag erlebte wenigstens in Stichworten auf Russisch festzuhalten. Tolle Gruppe! Und man könnte schon aufhören, wäre da nicht die dreitägige Exkursion nach Petersburg gewesen.
Begonnen mit Nervenkitzel pur, denn trotz Abfahrt mit dreistündigem Sicherheitspolster kamen wir in den Moskauer Freitag-Abendstau (14.9.) und ziemlich knapp zum Zug. Dann die nächste Überraschung, da wir viele Gang-Liegeplätze im offenen Wagen hatten, obwohl wir diese ausdrücklich nicht haben wollten. Dafür war es die erste Gruppe meiner mehr als 30 Schülerinnen-Reisen, welche die russische Schülerinnen-Ermäßigung bekam (für auf Russisch ausgestellte Schulbesuchsbestätigungen unserer Schule). So preisgünstig wird wahrscheinlich nie mehr jemand von hier die 650 Bahnkilometer zwischen Moskau und Petersburg durchfahren. Danke RŽD! Und bei der Abreise warteten zwei Damen der Eisenbahngesellschaft, die sich über den Gesundheitszustand der Schülerinnen erkundigten, denn es gibt strenge Vorschriften für Fahrten mit Schülerinnen. Auch zum ersten Mal.
Und da war sie, die alte Hauptstadt Russlands, noch verschlafen um 5 Uhr früh. Wir sahen ihre wichtigsten Sehenswürdigkeiten, wurden als österreichische Schülerinnengruppe oft bevorzugt und an Menschenschlangen vorbeigelotst, wie in der Eremitage oder im Katharinenpalast, wo wir das Bernsteinzimmer sahen und dessen Ausstrahlung spüren durften. Gewohnt haben wir bei der Kazanskij sobor, das wäre in Wien vergleichbar mit der Adresse „Stephansplatz um die Ecke“, in einem guten gepflegten Altbau-Studentenheim. Von dort war man in 15 Minuten beim Winterpalast oder bei der Schlossbrücke, deren Öffnung für den Schiffsverkehr um 1:30 wir uns nicht entgehen ließen.

Über Russland wird bei uns gerne gesprochen, Expertinnen gibt es bei uns ja unglaublich viele. Doch weiß man vom Land und dessen Menschen und ihrem Alltag recht wenig. Dafür ist man, was Weltpolitik betrifft, doch perfekt. Man kennt sie ja die Russen, aus den James Bond-Filmen oder von einschlägigen Erzählungen. Leider allzu wirksame Klischees. Und positive Nachrichten aus dem Osten sind bei unseren Medien einfach nicht gefragt. Aber, liebe Leserin, bedenke:

Nach zwei Jahren rang man sich bei uns zu einem Brexit-Abkommen mit GB durch. Die EU versucht den Schaden so klein wie möglich zu halten. Denken die Europäer daran, dass Russland ohne Entschädigung frühere Mitglieder des Staatenverbandes entlassen hat, die offen in Opposition zur großen Schwester gingen, aber noch einen Großteil ihres Handels mit ihr abwickeln wollen und offen mit Beitritt zum westlichen Verteidigungsbündnis drohen. Von bedenklichen nationalistischen und rassistischen Verirrungen, die bei uns vom Gesetz verfolgt würden, nicht zu reden. Hören sie hin, was ORF Korrespondent Christian Wehrschütz und Univ.-Prof. Mangott aus Innsbruck sagen, die durchaus kritisch auch zu Russland Stellung beziehen.
Was unsere jugendlichen Russlandreisenden angeht, denen kann man nicht mehr alles erzählen. Sie haben vieles mit eigenen Augen gesehen, dass dort in Russland Menschen wie wir leben, die an einem möglichst glücklichen und friedvollen Leben interessiert sind. Unsere Siebtklasslerinnen haben zwei Wochen in diesem unglaublich intensiven und pulsierenden Land gelebt und hätten es dort sogar noch einige Zeit länger „ausgehalten“. Der Schreiber dieser Zeilen möchte den jugendlichen Begleiterinnen danken, dass sie ohne irgendwelche Kritik oder Jammerei das anstrengende, sprachlich und kulturell herausfordernde Programm so positiv aufgenommen und mitgestaltet haben.
                                                                                                     Mag. Walter Bunzenberger

1Drehen wir den Spies einmal um: Aus Gründen der Einfachheit wurde bei geschlechtsspezifischen Ausdrücken meist nur die weibliche Form angeführt. Sie gilt jedoch auch für die männlichen Formen. Ist ja nichts Neues?
(Vgl. agricola, nauta, poeta, Papa, Opa, Heimat-Söhne, папа, дедушка, дядя, Саша, Дима, Володя, Костя, Боря...)

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